d i e    m a u l w e r k e r

         e n s e m b l e           a r b e i t s f e l d e r           r e p e r t o i r e            a k t u e l l           b o o k i n g             k o n t a k t
        ________________________________________________________________________________________________

Antonia Baehr

Alessandro Bosetti
Lucio Capece
John Cage
Johnny Chang
Fluxus
Jürg Frey
Gisburg
Robin Hayward
David Helbich
Michael Hirsch
Toshi Ichiyanagi
Ariane Jeßulat
Tom Johnson
Sven-Ake Johansson
Rolf Julius
Travis Just
Mauricio Kagel
Henrik Kairies
Christian Kesten
Georg Klein
Alison Knowles
Maulwerker
Andrea Neumann
Sergej Newski
Pauline Oliveros
Michael Pisaro
Katarina Rasinski
Richard Reason
Ole Schmidt
Dieter Schnebel
Craig Shepard
Gerhard Stäbler
Ernstalbrecht Stiebler
Karlheinz Stockhausen
Barbara Thun
Antje Vowinckel
Steffi Weismann
Emmett Williams
Istvan Zelenka
 
 
 

 

 

Antje Vowinckel (*1964)

Call me yesterday
für 5 Stimmen mit Instrumenten, Zuspielband und Zweikanal-Videoprojektion, 2006 (47')

ZKM, Festival Stimme+, 19. Mai 2006 (UA)
TESLA im Podewils'schen Palais Berlin, maulwerker performing music, 6.Oktober 2006
Komposition und Regie: Antje Vowinckel
Bühne und Video: Steffi Weismann
Die Maulwerker: Christian Kesten, Ariane Jessulat, Henrik Kairies, Katarina Rasinski und Fernanda Farah (Gast), in der Berliner Aufführung mit Margareth Kammerer (Gast)


Call me yesterday
Text-Klangkomposition aus internationalen Sprachkursen von Antje Vowinckel

Sie sollten uns alle miteinander verbinden, aber das Gegenteil geschah: alte Sprachkurse auf Vinyl und Cassette bestechen durch ihr didaktisches Pathos, aber kaum durch Alltagstauglichkeit. Perfekte Sprecher warten in regelmäßigen Pausen darauf, dass wir ihnen nachsprechen, aber nach ein paar braven Versuchen, gibt man auf, um schweigend und hochkonzentriert dem Knistern und Rauschen in den Nachsprechlücken zu lauschen. Währenddessen weitet sich die leere Pause zum leeren Raum. Sekunden werden zu Lichtjahren. Die Rillen des Vinyls gleichen Umlaufbahnen weit voneinander entfernter Planeten. Nette Menschen rufen fröhlich „Hallo!“ ohne je Antwort zu bekommen. Doch während die Worte ins Leere laufen, sprechen sie die Sprache der Musik. Eine Musik, die niemand gewollt hatte, die als Nebenprodukt der Anstrengung enstand, und die gerade deswegen fasziniert: eigentümliche Satzmelodien, facettenreiches Rauschen, durchkopierte Sätze, die auf dem Band ein Eigenleben entwickeln, Verzerrungen und Filterungen und immer wieder „This is..“ (Pressetext zu „Call me yesterday“)

Die Live-Aufführung von „Call me yesterday“, die Antje Vowinckel ausgehend vom gleichnamigen Hörstück auf die Bühne übertragen hat, wird mit fünf Live-Stimmen, Instrumenten, Zuspielband und einer 2-Kanal- Videoprojektion realisiert. Die von Steffi Weismann entworfene Videoinstallation greift das Bild der rotierenden Objekte (Vinylplattenteller und Cassettenbandschleife) auf, abstrahiert es und deutet es um. Zentrales Element sind zwei vertikal rotierende Scheiben, die auch als Projektionsfläche für die live eingespielten Videos fungieren. Sie erinnern an Plattenteller oder alte Tonbandgeräte, können aber auch das repetitive Element der Übungen visualisieren und andere Elemente in ihren Rhythmus zwingen (z.B: das Geräusch der Kreide auf der sich drehenden Tafel).
Die Sprecher stehen durch Stellwände isoliert voneinander hinter Pulten und werden durch Licht für verschiedene Konstellationen sichtbar bzw. unsichtbar gemacht. Die Trennung der Sprecher steht für die isolierte Situation in der sich die Lernenden mit den Sprachkursen befinden und die der Konzentration von Hören und Sprechen dienen soll. Gelegentlich begeben sich die Sprecher jedoch zu einer halbkreisförmigen Sitzgruppe im Vordergrund oder führen Übungen an den Drehscheiben durch.
Die übertriebenen Perfektionsansprüche der frühen Sprachlaborkurse bringen für heutige Ohren nahezu absurde Qualitäten zum Vorschein. Dabei öffnet sich ein Raum für die Musik. Gleichzeitig werden aus diesem anderen Betrachtungswinkel aber auch Fragen entstehen, die sich auf die heutige Problematik im Umgang mit Kommunikationstechnik beziehen.