|
|

Foto: Maulwerke Version 1995 mit Kostümen von Jürgen Westhoff
|
Dieter Schnebel: Maulwerke (1968-74)
für Artikulationsorgane (und Reproduktionsgeräte)
Versionen:
Maulwerke 88 (Trioversion mit Anna Clementi, Gisburg Smialek und Christian
Kesten) Aufführungen: Festival „East-West Horizons II,Tokyo
1988, Hebbel Theater Berlin 1989, Room Dances Festival Jerusalem/Tel Aviv
1992
Maulwerke 95 (vom Ensemble ausgearbeitete Version für 5 - 9 Stimmen,
25')
Aufführungen: Hochschule der Künste Berlin 1995 (szenische Version), „MUSICA
CHORALIS 2000“, Luxemburg 1995, CCA Glasgow 1996, Bad Wildbad 1997,
Festival Dieter Schnebel Re-visionen / Kammermusik Münster 1998
Maulwerke 2006 (vom Ensemble ausgearbeitete Version für 5 Stimmen (20’),
Aufführungen: ZKM Karlsruhe 2006, Hochschule für Musik Würzburg
2007
Maulwerke 2008/09 (vom Ensemble improvisierte Fassungen für 6 Stimmen)
maulwerker performing music Villa Elisabeth Berlin 2008, Festival "Les
Amplitudes", La Chaux-de-Fonds (Schweiz) 2009
Maulwerke – der Mund arbeitet, wird tätig nicht nur in der
Nahrungsaufnahme (und Liebesgabe und –nahme), sonder auch im Lautieren,
wo Klänge geäußert werden, welche von einfachem Ausdruck
bis zu Sprache und Musik reichen.
I Atemzüge / II Kehlkopf-Spannungen, Zungenschläge, Lippenspiel
Der Vorgang ist zutiefst körperlich: Luft wird eingezogen bis weit
hinab zum die Bauchhöhle begrenzenden Zwerchfell, und sie wird wiederum
ausgedrückt, wobei sie im Kehlkopf und im Mundraum sowie mittels
Zunge und Lippen mehr oder weniger deutlich strukturiert wird. Also verlässt
sie das Leibesinnere durch die Mundöffnung als Schall oder bloß
Rauch, wird zur Äußerung oder gezielter zum Signal, welches
wiederum Reaktion erheischt, in einem anderen Körper einen ähnlichen
Prozess auslöst.
III Mundstücke
Der Vorgang aber ist ebenso seelisch, denn er umschließt und befördert
Gefühle. Sie erscheinen sowohl sichtbar wie hörbar; zeigen sich
etwa im verzerrten oder im freundlich gerundeten Maul; werden vernehmlich
im Klang etwa der Untertöne – und überhaupt macht der
Ton die Musik. Solche Schwingungen suchen Resonanz, stimulieren sie im
Angesprochenen, sei es als heftiger Impuls oder aber als sanfte Harmonie.
IV Maulwerke-Sprache-Musik
Schließlich ist jener Vorgang des Lautierens geistig, birgt Inhalte,
die sagen – und singen. Sie kommen heraus im Geformten: in den Zusammenhängen,
welche Sprache bilden oder Musik – oder gar beides. Die dermaßen
gestalteten Lautströme teilen mit und wollen vernommen werden –
übers Auge und Ohr. Zugleich fordern sie die Antwort eines Gegenparts
heraus, führen also zum Dialog und stiften Gemeinschaft.
(Dieter Schnebel)
Schnebels „Maulwerke“ liegen den Interpreten nicht als ausnotierte
Partitur vor, die einfach zu reproduzieren wäre, sondern als Material
in mehreren Schichten, aus dem sie eine eigene Version erstellen und so
zu Mitkomponisten werden. Die Version 2006 wurde von den Interpreten für
das ZKM Karlsruhe entwickelt.
> zurück zu Schnebel Repertoire
|