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Dieter Schnebel: Glossolalie
(1959-60)
1.Glossolalie 61 (auskomponierte Fassung von Schnebel)
für 3-4 Sprecher, 3-4 Instrumentalisten (Harmonium, Piano, Schlagzeug)
und Dirigent, UA: 1993 Palermo (dirigiert von M. Kagel)
2. Glossolalie 2000
szenische Neufassung für 8 Vokalperformer mit Instrumenten (Trompete,
Geige, Klarinette, Blockflöte, E-Gitarre, Harmonium, Plattenspieler)
Aufführungen: 8.4. 2000 Akademie der Künste Berlin
4.11.2001 Festival Klang-Aktionen München
Die Maulwerker:
Ariane Jeßulat, Henrik Kairies, Christian Kesten, Katarina Rasinski,
Barbara Thun, Tilmann Walzer, Steffi Weismann;
Gast: Axel Dörner (Trompete)
Ausarbeitung/Komposition: Ensemble
Regie: Anna Clementi
Regieassistenz: Matthias Rebstock
Ausstattung: Dorothee Scheiffarth
Licht: Johannes Sundrup
Schnebels Glossolalie (1959) gehört derjenigen
Gruppe seiner Stücke an, die bewußt nicht als auskomponiertes
Resultat, sondern als detailliertes Konzept für den Interpreten vorliegen
oder, mit den Worten Schnebels, "als präpariertes Material zur
Hervorbringung von Musik".
Für ein Ensemble solistisch agierender Sprecher und Instrumentalisten
geschrieben, organisiert Glossolalie eine Vielzahl von Sprachen und Sprachverwandten
unter den Gesichtspunkten musikalischer und seman-tischer Parameter. Es
finden Verbindungen und Überschichtungen von sprachlichen, lautlichen,
geräuschhaften, instrumentalen und gestischen Prozessen statt.
Im Gegensatz zu der von Schnebel selbst auskomponierten Fassung Glossolalie
61 kommt die konzeptuelle Glossolalie selten zur Aufführung.
Glossolalie 2000 ist eine neue Ausarbeitung der Präparationen von
Dieter Schnebel in Form einer Kollektivkomposition durch das Ensemble
"Die Maulwerker". Das besondere an dieser Ausarbeitung ist die
Einbettung der Gesamtkomposition in eine szenische Umgebung. Vor dem Hintergrund
einer Partygesellschaft entrollt sich eine Dramaturgie von Handlungssequenzen,
deren unterschiedlicher Konkretheitsgrad in merkwürdiger Spannung
steht zu den in der Komposition eingefrorenen oder gerade in Fluss gebrachten
Sprachpartikeln.
In der Ausstattung von Dorothee Scheiffarth (Bühne/Kostüme/Requisite)
setzt die Regisseurin Anna Clementi eine Interpretation der Glossolalie,
die die Schwerpunkte des Schnebelschen Konzeptes, nämlich Serialität,
Mischung von Unkonventionellem und Konventionellem, Psychologie und Kommunikation,
zu einer ausgereiften Fassung bringt, in der Hörbares mit Sichtbarem
zu einer musiktheatralen Einheit verschmelzen kann. Die darstellerischen
Eigenheiten der Mitglieder des eingespielten Ensembles verhelfen dabei
der musikalisierten Szene zu einer spannungsgeladenen Endzeitatmosphäre.
(Ariane Jeßulat/Barbara Thun)
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